SYNDROM des ISCHIAS
chronisches Syndrom des
Nervus ischiadicus
Die korrekte Bezeichnung lautet: Syndrom des Nervus (N.) ischiadicus, abgekürzt "Syndrom des Ischias", oder auch einfach nur "Isch iassyndrom".
Beim Syndrom des Ischias
handelt es sich um ein lumbosakrales
(=
Lendenwirbelsäule
und
Kreuzbein
betreffendes)
Wurzelreizsyndrom
bzw.
Nervenwurzelreizsyndrom
mit Spontan- und Dehnungs
schmerzen,
druckempfindlichen Valleix Punkte (= im oberen
Gesäß
anteil befindlich)
und mit Sensibilitätsstörungen im Ausbreitungsgebiet des Nervus ischiadicus.
Hinzutreten können Ausfälle der Reflexe und der Motorik
(= Muskelkraft),
einhergehend mit vegetativen
(= das unwillkürliche
Nervensystem betreffenden)
Krankheitszeichen wie z.B. Ödem
(= krankhafte Flüssigkeitsansammlung).
Weitere Zeichen sind
Muskel
hartspann,
Wirbelsäule
nstarre, evtl. auch
Skoliose (=
Seitausbiegung der Wir
belsäule). Oft kündigt sich
ein Syndrom des Ischias durch einen
Hexenschuß an.
Ursachen für ein Syndrom des Ischias:
In der Regel tritt der Ischias schmerz nur einseitig auf, während die Kreuzschmerzen (Lumbalgie) meist beiderseits vorhanden sind, oft aber seitenbetont.
Schmerzbehandlung bei
Syndrom des
Ischias:
Grundsätzlich gilt, daß durch eine
geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten) versucht werden muß, eine für das Syndrom des Ischias ursächliche,
spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese zunächst kausal
(= entsprechend der
Krankheitsursache) behandelt werden.
Dazu ein Beispiel: Wird das Syndrom des Ischias durch einen
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall)
verursacht und es kommt dadurch zu einer Nervenlähmung, so steht an erster
Stelle natürlich eine
Bandscheibenoperation. (Ansonsten:
Daß eine Bandscheibenoperation längerfristig gesundheitliche Vorteile bringt ist
nach einer neueren Analyse von 1200 Publikationen nicht belegt. Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news232256)
Verbleiben nach einer krankheitsspezifischen Behandlung dennoch
Schmerzen, so
eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei ein
Dauerschmerz
praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordert:
Medikamentöse
Schmerzbehandlung beim Syndrom des Ischias:
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können beim Syndrom des
Ischias zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
magen
schonende wie z.B.
Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Entspannung von
Muskeln) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentral wirkenden
Analgetika (= im
Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
(z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch
Morphin)
beherrschbar.
Tritt das Syndrom des Ischias eher anfallsartig auf, also im Sinne einer Ischiad
ikus-
Neuralgie, so
gelten heute als erste Wahl gelten Gabapentin oder Pregabalin,
als 2. Wahl Carbamazepin. Die
Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin
bzw. Pregabalin oder Carbamazepin
einzusparen.
Grundsätzlich sollte aber auch beim Syndrom des Ischias eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Syndrom des Ischias
hilfreich) (z.B. Doxepin,
Maprotilin) oder
Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
beim Syndrom des Ischias (chronisches):
Bei anhaltenden
Schmerzen sollten
rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die
therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen
Betäubungen und
Nervenblockaden.
Sehr hilfreich sind beim Syndrom des Ischias wiederholte
Einzelbetäubungen des N. ischiadicus in Kombination mit
Nervenwurzelblockaden neben der
Wirbelsäule. Bei
verhärteter
Muskulatur
im
Lenden bereich ist dann
zusätzlich die wiederholte, großzügige Infiltration derselben zur
Muskelentspannung mit Bupivacain (0,25 - 0,5%) sehr lohnend.
Betäubungen (Blockaden)
des Ischias gelingen am sichersten infragluteal
(= unterhalb des Gesäßes).
Im Gegensatz zur transglutealen
(= durchs Gesäß hindurch)
Technik kann eine deutlich kürzere und damit dünnere Nadel verwendet werden. Der
Einstich erfolgt ca. 3 Querfinger unterhalb der
Gesäß
falte am rückwärtigen
Oberschenkel. Die
exakte Position kann bei Verwendung einer dünnen Kanüle durch Auslösung von
Parästhesien (= Fehlempfindungen)
ermittelt werden. Der Verlauf des
Nerven
kann auch mit einer transkutanen
(= über die Haut verabreichten)
elektrischen Nervenstimulation mit Zielelektrode zuvor
identifiziert werden. Bei
ungenügender Wirkung muß daran gedacht
werden, daß die Endäste des Isch iasnervs,
also die Nerven peroneus communis und tibialis bei manchen (wenigen) Menschen
das Becken bereits getrennt, also in zwei selbständigen Portionen verlassen.
Zur
Schmerztherapie
reichen 10-15 ml z.B. Bupivacain 0,125-0,15% aus. Bei dieser Konzentration
bleibt die Motorik intakt, so daß begleitend physiotherapeutische Maßnahmen
(= Krankengymnastik,
Anwendungen) durchgeführt werden
können, bzw. bei starken
Schmerz en durch Hemmung der
Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) überhaupt erst
möglich werden.
In hartnäckigen Fällen
hat sich beim Syndrom des Ischias eine vorübergehende (ca. 10-14 Tage lange)
kontinuierliche Blockade des Nervus ischiadicus mit Katheter sehr bewährt.
Dabei wird, ebenfalls von der Oberschenkelrückseite her, ein dünner
Kunststoffschlauch (Katheter) durch eine Kanüle hindurch in die Ner
venscheide
(= Gewebsumhüllung eines
Nerven) des Ischias eingepflanzt und
innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt.
Beim Syndrom des Ischias empfiehlt sich die Durchführung der genannten
Blockadetechnik in der sog. retrograd hohen Variante. Dabei wird während den
Katheterfüllungen der Oberschen
kel unterhalb der Einstichstelle mit
einer Manschette abgestaut. Das örtliche Betäubungsmittel kann sich auf diese
Weise innerhalb der Ner
venscheide nur nach oben ausbreiten und so dann auch die gestörten
Nervenwurzel
n im Lendenbereich erreichen und dort ebenso lindernd wirken. Mit dieser
sog. retrograd hohen Blockadevariante werden zusätzliche
Ner
venwurzelblockaden im unteren Lendenbereich zur
Behandlung der
Kreuzschmerz
komponente entbehrlich,
falls nicht, werden die betroffenen Nervenwurzeln 2 mal täglich (auch an
Wochenenden) mittels Einzelinjektionen separat blockiert. .
Physikalische
Schmerztherapie beim Syndrom des Ischias
(chronisches):
Auch die Elektrostimulation kann beim Syndrom des Ischias eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane
(= über die Haut verabreichte)
Stimulation mit
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich
die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden über dem
Ischiasverlauf am rückwärtigen Oberschen
kel aufgeklebt. Durch Veränderung der
Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit bei Syndrom des Ischias ist
die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen
elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C
abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem Syndrom des Ischias empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls ein Syndrom des Ischias lindern.
Nahezu unverzichtbar ist beim Syndrom des Ischias ist die heilgymnastische
Therapie , insbesondere in Form der
Rückenschule, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
Rüc
k
en- und Bauchmuskulatur zu trainieren, da
auf Dauer nur eine kräftige Mus
kulatur eine statische und dynamische
Insuffizienz des Achsenorgans kompensieren kann.
Pflegerisch ist beim akuten und subakuten Syndrom des Ischias auch an die
Lagerung im Stufenbett zu denken.
Andere Maßnahmen zur
Schmerzbehandlung beim Syndrom des Ischias:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach
Jakobson sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.
Besteht ein chronisches Syndrom des Ischias längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen im Rahmen der speziellen Schmerzpsychotherapie zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
Wer bezahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre
Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert
Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen,
zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern,
sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist.
Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".
Hinzu kommt seit dem
1.4.2007, daß laut Bundesministerium für Gesundheit alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf
eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt
sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die
"Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw.
Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre
Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf
sieht, dann ist Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der stationären
Rehabilitation zuständig.
Auch ist die Krankenkasse selbst
Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Die Originaltexte finden Sie hier:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
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ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen
wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der
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A
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Achillotendinitis,
Achillessehnenschmerz,
adhäsive Kapsulitis,
Adduktorensyndrom (www.adduktoren-syndrom.de),
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Algoneurodystrophie,
Alkoholische
Polyneuropathie,
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Amputation,
anhaltende
idiopathische Gesichtsschmerzen,
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Arthrose im
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radiohumeralis, Bursitis
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E
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Entzündung von Sehnenscheiden,
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Entzündung der Stirnhöhle,
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Schmerzsyndrom,
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Fingegelenksschmerzen, Frozen
Shoulder,
Fußgelenkentzündung, Fußgeschwüre,
Fußschmerz
G
Gastralgie,
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Gelenkabnutzung (http://www.gelenkabnutzung.eu),
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arterielle Durchblutungsstörung,
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Postnukleotomie-Syndrom,
Postpunktionelles Syndrom,
Postthorakotomie-Syndrom,
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Posttraumatische
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Postzosterische Neuralgie
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Processus styloideus-Syndrom,
Proktodynie,
Pronator teres-Syndrom,
Prosopalgie,
pseudoradikuläre Syndrome,
psoriatische Arthritis,
Psoarisspondarthritis,
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Q
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